Die Heilige Schwarze Lanze 

Die Heilige Lanze ist das älteste Stück der Reichskleinodien der römisch-deutschenDie Heilige Lanze Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Sie enthält angeblich ein Stück des Nagels vom Kreuz Christi. Nach der Legende gehörte die Lanze Mauritius, dem Anführer der Thebaischen Legion oder nach anderen Quellen dem römischen Hauptmann Longinus, der mit ihr den Tod Jesu überprüfte, so dass sie auch mit dessen Blut getränkt sein soll.

Zeitweise war sie das bedeutendste Stück der Insignien, später trat an ihre Stelle die Reichskrone. Die Lanzenspitze wurde in einem Hohlraum im Inneren des Querbalkens des Reichskreuzes aufbewahrt. Ein Herrscher, der diese Lanze besaß, galt als unbesiegbar. Sie war das sichtbare Zeichen dafür, dass seine Macht von Gott ausging, dass er der Stellvertreter Christi war.

Aussehen der Heiligen Lanze 

Die Heilige Lanze, von der heute nur noch der Aufsatz erhalten geblieben ist, ist eine 50,7 cm lange Flügellanze. Der Lanzenschaft, der wohl aus Holz gefertigt war, fehlt. Aus dem Lanzenblatt ist ein spitzovaler Teil auf einer Länge von 24 cm und einer maximalen Breite von 1,5 cm herausgestemmt. In diesem ist ein ornamental zurechtgeschmiedetes, auch als Dorn (lat. spina) bezeichnetes, Eisenstück eingepasst, dessen unteres abgebrochenes Ende fehlt. Er ist mit vierfachem Silberdraht befestigt, wobei nicht klar ist, ob er früher in anderer Weise fester in den Freiraum eingefügt war.

ieser Dorn galt jahrhundertelang als der „Heilige Nagel“. Ein (Kreuz-)Nagel kann er keinesfalls gewesen sein. Jedoch befinden sich auf zwei von den drei mondsichelförmigen Ausnehmungen mit knotenartigen Verdickungen des Dorns messingtauschierte Kreuze, die vielleicht eingelagerte Kreuznagelpartikelchen markieren.

Dort, wo sich das Lanzenblatt verjüngt, um in den Schaft überzugehen, ist auf jeder Seite der Lanze eine Eisenklinge angebracht, in deren Rücken zu diesem Zweck Ösen gebohrt worden sind. An diesen nachträglich angefügten Eisenblättern, welche oft als Messerklingen interpretiert worden sind, fallen ungewöhnlich tiefe Scharten auf, wie von einer scharfen Klinge, im Gegenhieb aufgefangen.

alt und Befestigung finden diese „Messerklingen“ hauptsächlich durch die von den Manschetten weitgehend verdeckten Lederbänder und dem kunstvoll verspannten Silberdraht. Da die Art ihrer Verbindung mit dem Hauptteil des Lanzenblattes sehr ähnelt wie bei dem oben eingefügten Eisendorn, wird schon seit langem angenommen, dass beides im gleichen Arbeitsgang ausgeführt wurde, also vor etwa 1000 Jahren.

as Lanzenblatt ist gebrochen. Wahrscheinlich brach es beim Ausstemmen des Spaltes kurz vor dem Jahr 1000, da in eine vereinfachte, noch existierende Kopie, die Kaiser Otto III. nach Krakau verschenkt hat, auch eine Nachbildung dieses Dorns eingepasst ist. Die Bruchstelle ist dreifach verkleidet, zuerst mit einem schmalen Eisenband, dann mit einem breiten Silberblech und zuletzt mit einem Goldblech. Die silberne Manschette trägt auf einem vergoldeten Streifen folgende lateinische Inschrift:

CLAVVUS + HEINRICVS D(EI) GR(ATI)A TERCIVS ROMANO(RUM) IMPERATOR AVG(USTUS) HOC ARGENTUM IVSSIT FABRICARI AD CONFIRMATIONE(M) CLAVI LANCEE SANCTI MAVRICII + SANCTVS MAVRICIVS
(deutsch: „Nagel des Herren + Heinrich von Gottes Gnaden der Dritte, Kaiser der Römer und Augustus, befahl dieses Silberstück herzustellen zur Befestigung des Nagels der Heiligen Lanze des Mauricius + Heiligen Mauricius“)

Der Auftraggeber der silbernen Manschette ist Heinrich IV. Er ließ diese in der Zeit zwischen 1084 und 1105 anbringen.

Die oberste goldene Manschette, die Kaiser Karl IV. anfertigen ließ, ist mit der lateinischen Inschrift +LANCEA ET CLAVUS DOMINI, (deutsch: „+ Lanze und Nagel des Herrn“) versehen.

 

Entstehung 

Metallurgische Untersuchungen der montanistischen Hochschule in Leoben zeigten schon 1914, dass die Heilige Lanze erst im 8. Jahrhundert nach Christus nach dem Muster einer karolingischen Flügellanze hergestellt worden sein kann. Auf dem Hoftag zu Worms 926 erwarb König Heinrich I. die Heilige Lanze vom burgundischen König Rudolf II., der sie 922 vom Grafen Samson samt Herrschaft über Italien erhalten hatte, im Austausch gegen die Südwestecke des Ostfrankenreiches (die Umgebung der Stadt Basel). Bald bildete sich die Legende, Heinrich I. verdanke seinen Sieg über das gefürchtete Heer der Ungarn in der Schlacht bei Riade an der Unstrut 933 nur dem Einsatz der Heiligen Lanze. Auch bei der Schlacht auf dem Lechfeld 955, bei der die Ungarn von Kaiser Otto I. endgültig besiegt wurden, soll die Lanze zum Einsatz gekommen sein. Die neuesten Untersuchungen durch Wissenschaftler der Universität Wien förderten jedoch keinerlei typische Kampfspuren auf der Lanzenspitze zu Tage. Die Heilige Lanze dürfte hingegen in ihren Anfängen als Fahnenlanze in Verwendung gewesen sein. Dass die vier Nietlöcher des neuen Eisenringes am Lanzenschaft ausgeleiert sind, ist eine Bestätigung für die anfänglich intensive, nicht auf Schonung bedachte Nutzung der Lanze - und zwar nach dem Jahr 1000, da dieser Schaftring an der Kopie in Krakau noch nicht vorhanden ist.